Koshinkan Day 2018Am 03.02.2018 wurde der Koshinkan-Day Brandenburg-Berlin zum ersten Mal von den beiden Bundesländern Brandenburg und Berlin gemeinsam an der Sportschule Lindow durchgeführt.

Über 70 Teilnehmer folgten am Samstag der Ausschreibung zum Koshinkan-Lehrgang und zum Brandenburger Kader-Kumite-Training unter der Leitung des Landestrainers Bodo Pippel Sensei und seines Assistenten Marvin Mauer Sensei. Die meisten Teilnehmer kamen aus den Dojos  des Karate-Dachverbandes Land Brandenburg, dem Berliner Karate Verband (BKV) – aber es nahmen auch einzelne Karatekas aus anderen Interessengemeinschaften teil. Unsere Ausführungen zur Stilrichtung Koshinkan wurden mit Interesse aufgenommen und es konnte dazu viele Fragen beantwortet werden. Die Landessportschule Brandenburg in Lindow (Mark) bot für unseren Koshinkan-Day einen hervorragenden Rahmen. Die Teilnehmer lobten die Organisation und die Trainingseinheiten und nahmen neue Impulse für ihr Training mit. Züllich Sensei dem Stilrichtungsreferenten Koshinkan in Brandenburg gebührt das Lob für die hervorragende Organisation dieser offenen Veranstaltung.

Während Pippel Sensei sein ganzes Wissen in Halle 3 in vier Trainingseinheiten beim Kumite-Training vermittelte, bot Züllich Sensei mit des Katas „Jitte“ und „Jitte no Bo“ ein spannendes Thema an, das sehr großen Anklang fand. Die Teilnehmer hatten hier die Gelegenheit mit dem Bo bzw. Jo, dem traditionell kurzen bzw. langen Stock aus dem Kobudo, trainieren können und die Handhabung im Sinne der Kata kennenlernen und erlernen zu können. Züllich Sensei vermittelte dabei auch verschiedene Anwendungsmöglichkeiten mit dem Bo, ließ dazu immer wieder die Kata Jitte laufen, damit sich die Grundlagen und das Verständnis zur Version Jitte no Bo festigen konnten. Selbst die unteren Kyu-Grade und Kinder konnten sich bei zahlreichen Wiederholungen die Abläufe so gut einprägen. In der letzten Trainingseinheit um 20 Uhr bot Züllich Sensei mit Wurftraining im Karate eine spannende Trainingseinheit auf den Matten an. Die Teilnehmer waren motiviert dabei und hatten sichtlich Spaß.

Kurtzweg Sensei, der Koshinkan-Stilrichtungsreferent aus Berlin, forderte die Teilnehmer vor allem auf, den Kopf frei zu machen für Strategie und Taktik, die im Kampf erhalten bleiben sollten. Das zog sich wie ein roter Faden durch seine gesamten Trainingseinheiten. Dabei wurde eine Möglichkeit gelehrt Kihon anders zu trainieren: Trainiert wurde nach jeder Technikkombination Kamae einzunehmen und sich in eine neue Richtung zu orientieren, anstatt wie sonst die Bahnen gerade auf und abzulaufen. Begründung: Richtungswechsel fördert Wachsamkeit zur neuen Richtung, während der Kopf bei der eigentlichen Technik frei sein muss. Weiterhin wurde jede Technik auf Kamae aus bequemem Stand gestartet. Die Startbewegung wurde jeweils mit Vorgleiten des vorderen Beines eingeleitet - ähnlich wie im Jiyu-Ippon-Kumite. Hier "wächst" Kihon mit Kumite zusammen. Dieses In weiteren Vertiefungen zum Jiyu-Ippon-Kumite lag der Schwerpunkt auf der Ausdrucksstärke des Angreifers, der seinen Willen zur starken erfolgreichen Angriffstechnik zeigen sollte. Der Verteidiger hingegen sollte erlernen, sich nicht beeindrucken zu lassen und locker zu bleiben – ausgehend von der Einstellung im Kopf. Weiterhin wurden Teile eines Kihon-Prüfungsprogrammes zum 1. Dan (Shodan) vorgestellt und Vorschläge zur Bewegungsverbesserung trainiert. Den Abschluss krönte eine Trainingseinheit in Selbstverteidigung. „Karateka müssen frei kämpfen können“, betonte Kurtzweg Sensei immer wieder. Die geübten Situationen sollten durch Körpersprache und den Willen unterstützt werden. Der Verteidiger sollte dem Angreifer gegenüber seine Ablehnung und seine Wehrhaftigkeit Ausdruck verleihen. Die Trainingseinheiten begleitete Kurtzweg Sensei mit Kata-Bunkai, das sich auf einfache Anwendungen mit Überführung in SV-Techniken konzentrierte. Um dieses realistischer zu gestalten wurden Takt und Stresslevel für die Teilnehmer sukzessive erhöht. So wurde der Karateunterricht mit vielen Übungswiederholungen gefestigt und die Teilnehmer auch stressresistenter gemacht.

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Der Abend fand in der Sportbar seinen Ausklang und war durch freundschaftliche, gesellige Atmosphäre geprägt. Das Geübte konnte noch mal besprochen werden. „Für das Thema ‚Kopf und Willensstärke im Karatetraining‘ besteht offenbar großes Interesse und auch mehr oder weniger Nachholbedarf“, so Kurtzweg Sensei. Das bemerkte Kurtzweg Sensei immer wieder auch in seinem Verein oder in anderen Vereinen, wo er das Thema vorstellte.

Die drittgrößte Stilrichtung im Deutschen Karate Verband (DKV) „Koshinkan“ konnte sich durch Training und Referenten hervorragend am Koshinkan-Day Brandenburg-Berlin präsentieren.  Auch zeigte die Veranstaltung durch die aktive Unterstützung des Karate Dachverbandes Land Brandenburg, dass in diesem Bundesland jeder stilrichtungsübergreifend unterstützt wird, wenn er es möchte und selbst zulässt. Züllich Sensei erwähnte, dass die Offenheit und Unterstützung von Ideen und Projekten im Karate Dachverband Land Brandenburg eine Selbstverständlichkeit darstellte und untermauerte dies mit der Teilnahme des Brandenburger Kumite-Kader-Teams unter der Leitung des Landestrainers Bodo Pippel. Züllich erwähnte im gleichen Atemzug, dass so etwas in den meisten Landesverbänden leider noch nicht immer so sei und betonte, dass Brandenburg hier eine echte Vorzeigerolle eingenommen habe.

Soweit man das beurteilen kann, hatten alle Teilnehmer großen Spaß, konnten ihr Wissen erweitern und wünschen sich eine Wiederholung im kommenden Jahr. Züllich Sensei zeigte sich sehr angetan und gab zu verstehen, dass er sich in dieser Zusammensetzung einen weiteren Stilrichtungs- und Verbandsoffen Koshinkan-Day für Sportler und traditionsbewusste Karateka definitiv vorstellen kann.

Thomas Bauer
Pressereferent Nikko Dojo e.V.



Autor: Thomas Bauer
Datum: 11.02.2018